Wir können uns keine Monokultur mehr leisten – weder im Weinberg, noch im Kopf. Aber ich sorge mich um unsere eigentlich so bunte, vielfältige Welt. Irgendwie ist uns allen der Mut abhanden gekommen, niemand traut sich mehr. Alles ähnelt sich und wird gleichförmig, oder verstummt neben dem Erschütternden, dem Extremen und dem Eindimensionalen. Wo sind denn all die klugen Zwischentöne, wo sind die feinen Nuancen? Wo ist die Zuversicht? Wo ist das Sprudelnde, Gärende, Unkontrollierte, Freche, Funkelnde? Und wo ist das Zarte und Leise?
Es ist ein riesiges Privileg, dass ich mich dem ungeordneten Informationssturm unserer Zeit immer wieder entziehen darf. Im Weinberg, zwischen den Zeilen, bin ich weit weg vom lauten Rauschen, von den vielen Impulsen. Die Ruhe ordnet meine Gedanken und lässt mich atmen. Das ist für mich das größte Glück. Und mir fällt ein, was ich sagen muss.